Einführung in die Biomechanik

Pin's umwerfen ist für viele zwischenzeitlich nicht nur Freizeitgestaltung sondern auch Antrieb zum Leistungssport geworden. Wollen wir dieser Zielsetzung gerecht werden, müssen wir uns zwangsläufig mit den Gesetzen der Bewegungslehre auseinandersetzen und die dafür nötigen Grundlagen aufbauen. Unser Gesamtziel kann also zusammengefasst die sportliche Leistung sein. In diesem Lernprozess geht es nicht allein um die Höhe des momentanen Ergebnisses, sondern um das aneinanderfügen einzelner Bausteine, die zu einem komplexen Ergebnis führen. Wie überall im Spitzensport, und viele wollen diesen betreiben , sind noch weitere Willenseigenschaften eine unabdingbare Voraussetzung, nämlich: ·

  • Motivation
  • Ausdauer
  • Auffassungsgabe
  • Lernwille
  • und eine sportliche Lebensführung.

Die Ausbildung vollzieht sich in verschiedenen Formen und mit verschiedenen Mitteln. Die Hauptform ist die körperliche Belastung beim Bowlingspiel im allgemeinem, darauf folgend seine spezifische Art, das heißt beim Training und bei Wettkämpfen.

Der einzuschlagende Weg beinhaltet 3 Ausbildungsabschnitte:

  1. Grundlagentraining bei Anfängern
  2. Aufbautraining bei Fortgeschrittenen
  3. Leistungstraining bei Spitzensportlern

Hierin spiegelt sich auch das "3D"-Programm unserer Int. Bowling Academie mit allen Inhaltsbereichen wieder: In der Sportart Bowling ist die theoretische Unterweisung besonders wichtig. Hier lernt man die Zusammenhänge von

  • Technik
  • Taktik
  • Methodik
  • Material

Noch vor nicht allzu langer Zeit ist die Erfahrung der Bowlingsportler der Theorie voraus geeilt. Heute ist diesbezüglich sicher ein Gleichstand hergestellt.

Die 3 bedeutenden Merkmale der Biomechanik für Bowler sind:

  1. die Gleichmäßigkeit der Schritte und des Pendels in Automation
  2. die Fähigkeit von erforderlichen Tempowechseln
  3. die verschiedenen Gewichte (Körper/Ball) ausbalanciert in Einklang zu bringen

Beim Bowling geht es vorrangig um qualitative Bewegungsmerkmale, welche in der Quantität positiv unterstützend sein können, sobald eine ausreichende allgemeine Fitness aufzuweisen ist. Merke: Nur ein gut austrainierter Körper ist in der Lage, dauerhaft und über längere Zeit hinweg, qualitative Bewegungen auszuführen und zu stabilisieren. Eine auf Biomechanik basierende Untersuchung zum Thema Sportbowling ist derzeit in Deutschland noch nicht vorhanden. Bob Sommerville, von der Int. Bowling Academie Las Vegas/USA befasst sich schon längere Zeit damit. In Zusammenarbeit mit Dr. Duane Knudson von der Bayior University, und Dr. Craig Morrisson von der Southern Utah University/USA ist man der bowlingspezifischen Biomechanik nachgegangen, wobei man festgestellt hat, dass die Bowling-Biomechanik als komplexe Bewegung folgende Schwerpunkte beinhaltet:

 

BEWEGUNG BALANCE RHYTHMUS

 

Schrittgrössen, Balance und Koordination werden wir in den monatlich folgenden Artikeln genauestens besprechen. Heute befassen wir uns mit den Knotenpunkten der Bowlingbewegung.

 

4-Schritt-Anlauf

Nach der Gewichtsverlagerung auf den linken Fuß (Rechtshänder), wird der erste Schritt mit dem rechten Bowlingfuß nach vorne bewegt und gleichzeitig die Kugel nach vorne gestoßen, jedoch nur soweit, dass eine etwa senkrechte Linie zwischen Ball und Fußspitze entsteht. Der Ball sollte keinesfalls weiter als 5-10 cm vor dem Bowlingfuß stehen, sonst gibt es bereits am Anfang Balanceprobleme. Der Bowlingarm sollte dabei nicht ganz, aber etwas über die Hälfte gestreckt sein. Der Unterarm bleibt gerade auf das Ziel gerichtet. Die Bewegung beim Vorwärtsstoß ist ein Bogen nach vorne/unten. Die nichtspielende Hand bleibt bei diesem Schritt in Kontakt mit dem Ball zur Unterstützung.

Beim zweiten Schritt wird der nichtspielende Fuß(links)nach vorne bewegt und die nichtspielende Hand von der Kugel weg ebenfalls leicht nach vorn gebracht. Während sich der Fuß weiter nach vorne bewegt, fällt die Kugel weiter abwärts in die Richtung Backswing. Zum Ende des zweiten Schrittes sollte die Kugel etwa seitlich vom Oberschenkel, also in Höhe der Hosentasche des Bowlingfußes (RH-rechts) sein. Beim dritten Schritt kommt der Bowlingfuß wieder nach vorne, der Ball befindet sich weiter im Backswing.

 

Beim dritten Schritt kommt der Bowlingfuß wieder nach vorne, der Ball befindet sich weiter im Backswing. Am Ende des dritten Schrittes sollte der Ball den höchsten Punkt im Backswing erreicht haben (max. Schulterhöhe). Das Timing kann bis zum 3.Schritt perfekt sein, jedoch zu früh oder zu spät werden, wenn die Höhe des Rückwärtspendels nicht stimmt.

 

Beim vierten Schritt wird der nichtspielende Fuß vorwärts bewegt und der Ball fällt dabei nach unten. Der nichtspielende Arm wird dabei in eine seitliche Position gebracht (Schulterhöhe). Am Ende des Schrittes sollte der Ball am tiefsten Punkt des Pendels sein, der nichtspielende Fuß befindet sich dabei bereits in Endposition. Ab dem tiefsten Punkt des Balles sollte die Abgabe mit mehr oder weniger Power unterstützt werden, je nach Erfordernis.

 

Beim 5 Schritte Anlauf setzen Sie nur den linken Fuß (Rechtshänder) als Vorbereitungsschritt an, alles weitere wie beim 4 Schritte Anlauf. Rückwärtspendel niedrigerer als normal führt zu zu frühem Timing: Ball geht links vorbei Rückwärtspendel höher als führt zu zu spätes Timing: Ball geht rechts vorbei Achtung: Verzögerung der Kugel während des Rückwärtspendels führt ebenfalls zu einem späten Timing. Bildmaterial: F. Borden

 

Biomechanische Anpassung - Einstellung auf das heutige Spiel

Bevor wir uns später mit den Zusammenhängen von Ball-Laufeigenschaften befassen, sollte unser körperliches Spiel in Ordnung sein. Ich sage es deshalb immer wieder:

Wer nicht in der Lage ist, seinen Zielpunkt möglichst oft und genau zu treffen, der kann auch keine Bahnen lesen. Dies gilt als Voraussetzung als für den Materialeinsatz.

Dass mit der Zeit eine trainerbegleitende Maßnahme erforderlich ist, versteht sich von selbst, denn in keiner Sportart ist Spitzenleistung ohne Trainer möglich. Wir müssen uns daran gewöhnen, ob wir wollen oder nicht,

Bowling-Leistungssport bzw. erfolgreicher Sport kann auch bei uns nicht mit dem Material erkauft werden.

Logischerweise würden sonst nur die gut betuchten hohe Ergebnisse erzielen. Der Trainer ist Beobachter und Analyst, auch der Einsatz einer Videokamera erfordert das Erkennen der Fehlerquellen und hier trennen sich gute Trainer von Handauflegern.

Doch jetzt zum Hauptthema:

1. Augenposition (damit meinen wir die Zielentfernung die Bahn vor)

a. Kurz

b. Medium

c. Lang

Anmerkung: Je weiter wir die Bahn hinunter, vor schauen, umso weniger Anfangsumdrehungen können wir entwickeln. Also, näheres Ziel (Pfeile oder sogar Punkte), umso mehr Umdrehungen sind durch kürzere Hebelkraft möglich. Für das Ziel in Richtung Pin Nr.10 für Rechtshänder oder Pin Nr.7 für Linkshänder ist es besser, wir strecken unseren Zielpunkt weiter nach vorne, weil denn der Hebel nicht so stark zum Einsatz kommt.

2. Ballhöhe bei der Aufstellung (Tempospiel)

a. Tief (in Oberschenkelhöhe)

b. Medium (in Hüfthöhe)

c. Hoch (in Brusthöhe)

Anmerkung:

Je höher man den Ball bei der Aufstellung hält, umso höher wird das Anfangstempo des Balles (Achtung : die Füße werden langsamer). Dies ist bei trockenen Bahnen oder Spielern mit wenig Ballgeschwindigkeit zu bevorzugen. Je tiefer man den Ball in der Aufstellposition hält, umso langsamer wird das Balltempo (obwohl die Füße schneller worden). Bevorzugt bei öligen Bahnen einzusetzen, um schnell Grip zu bekommen.

3. Handgelenkspositionen

a. Handgelenk zum Körper oder weg vom Körper. Unterscheidung: stark (zum Körper geneigt), flach (gerade) oder relaxed (nach vorne/unten)

b. Handverstellung zur Seite (RH nach links innen/LH nach rechte innen), voll nach innen(RH n. links), medium / leicht nach innen, oder gerade.

Anmerkung:

zu a. Je mehr das Handgelenk zum Körper hin gekippt ist, umso mehr Umdrehungen sind möglich.

zu b. Je mehr die Hand nach innen geneigt ist (also RH nach links) umso mehr erhöht sich die anfängliche Achsenrotation/Neigung, also Seitenumdrehungen.

Das nächste mal sind die Bälle und ihre Reaktionen dran. Schaut wieder rein und denkt einmal über ein Bowlingseminar nach, denn

Was ist besser ????? Ein neues Sportgerät, oder das Wissen, wie man damit umgeht?

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